Motivation ohne Motivationsschreiben – geht das?
Früher gehörte ein Motivationsschreiben selbstverständlich zu jeder Bewerbung. Heute ist das oft anders: Viele Unternehmen verzichten darauf oder deklarieren es als optional. Das kann verunsichern.
Denn die Frage bleibt: Wie zeigt man, dass man eine Stelle wirklich möchte, wenn kein separates Schreiben mehr verlangt wird? Die gute Nachricht ist: Motivation ist deshalb nicht weniger wichtig. Sie zeigt sich heute einfach an anderen Stellen.
Das Motivationsschreiben verliert an Gewicht – Motivation aber nicht
Wenn Unternehmen heute kein Motivationsschreiben mehr verlangen, heisst das nicht, dass ihnen Motivation egal ist. Vielmehr haben sich die Abläufe im Bewerbungsprozess verändert.
Viele Firmen möchten Bewerbungen einfacher, schneller und besser vergleichbar machen. Und ganz ehrlich: Ein herkömmliches Motivationsschreiben bringt oft wenig, wenn es nur den Lebenslauf nacherzählt, aus allgemeinen Floskeln besteht oder mit KI so formuliert wurde, dass es sich mit dem CV beisst oder insgesamt austauschbar, beziehungsweise unnatürlich wirkt.
Wie echte Motivation heute gezeigt wird
Heute zeigt sich Motivation weniger in langen Erklärungen als im Gesamtbild der Bewerbung.
Zum Beispiel daran:
- wie gut das Profil zur Stelle passt
- wie gezielt relevante Erfahrungen für die Bewerbung ausgewählt wurden
- wie konkret sichtbar wird, was jemand mitbringt
- wie nachvollziehbar der berufliche Weg ist
- wie sorgfältig und passend die Unterlagen aufgebaut sind
Entscheidend ist also nicht, ob ein separates Schreiben beiliegt. Sondern ob aus den Unterlagen hervorgeht, warum jemand diese Rolle möchte und was er oder sie dem Unternehmen mitbringen kann.
Worauf wir bei Steck HR achten
Wir schauen weniger darauf, wie schön etwas formuliert ist. Wichtig für uns ist, dass eine Bewerbung Substanz hat. Das heisst: Die Bewerbung passt zur ausgeschriebenen Stelle, die Unterlagen sind vollständig und die Angaben sind stimmig.
Wir merken sehr schnell, ob sich jemand einfach breit beworben hat – oder ob ein echter Bezug zur Stelle da ist. Dazu gehört auch ein klarer und realistischer Ausweis der Sprachkenntnisse. Sprachlich sauber aufbereitete Unterlagen nützen wenig, wenn im CV ein eher tiefes Sprachniveau angegeben ist, die Funktion im Alltag aber deutlich mehr verlangt. Entscheidend ist, dass das tatsächliche Sprachwissen zur Stelle passt.
Wenn Unterlagen zeigen, dass sich jemand mit dem nächsten beruflichen Schritt bewusst auseinandergesetzt hat, wird Motivation auch ohne separates Schreiben erkennbar.
Young Professionals und Berufserfahrene: zwei unterschiedliche Ausgangslagen
Für Young Professionals ist Motivation oft besonders wichtig – vor allem dann, wenn die Berufserfahrung noch begrenzt ist. Hier kann überzeugen, wer Lernbereitschaft, Eigeninitiative und einen klaren Entwicklungswunsch zeigt, zum Beispiel durch Praktika, Projekte oder persönliches Engagement.
Bei berufserfahrenen Personen mit mehreren Stationen, Brüchen oder einer Neuorientierung ist etwas anderes zentral: der rote Faden. Warum gerade jetzt dieser Schritt? Weshalb diese Rolle? Und wie passt das Profil hinsichtlich Berufserfahrung, Weiterbildung und Sprachen dazu? Wenn das nachvollziehbar wird, wirkt eine Bewerbung deutlich stärker.
Wie Motivation heute sichtbar wird
Das Kurzprofil im CV bewusst nutzen
Viele Lebensläufe starten direkt mit den persönlichen Angaben und der Berufserfahrung. Ein kurzes Profil am Anfang kann sehr hilfreich sein. In drei bis vier Zeilen lässt sich auf den Punkt bringen:
- wer jemand beruflich ist
- was er oder sie mitbringt
- wohin die Entwicklung gehen soll
- warum diese Rolle gut passt
Das gibt der Bewerbung von Anfang an Richtung. Für Young Professionals kann das den Übergang von Ausbildung zu Beruf klären. Für Berufserfahrene hilft es, den roten Faden sichtbar zu machen.
Im CV nicht nur Aufgaben nennen, sondern Wirkung zeigen
Wer nur aufzählt, wofür er zuständig war, bleibt oft blass. Spannender wird ein CV dort, wo sichtbar wird, was jemand beigetragen, verbessert oder mitgetragen hat. Das muss nicht immer mit Zahlen belegt werden.
Hilfreiche Fragen bei den einzelnen Stationen sind:
- Wo wurde Verantwortung übernommen?
- Wo konnte etwas bewirkt werden? Welches sind die konkreten Projekte und Erfolge?
- Welche Aufgaben passen besonders gut zur angestrebten Stelle?
Eine gute Bewerbung zeigt nicht nur, was jemand sucht, sondern auch, was das Unternehmen davon hat. So wird Motivation indirekt sichtbar – weil erkennbar wird, wo der Fokus liegt.
Die Qualität der Unterlagen spricht für sich
Auch die Sorgfalt der Unterlagen sendet ein Signal. Eine klar strukturierte, fehlerfreie und auf die Stelle ausgerichtete Bewerbung zeigt, dass sich jemand mit der Rolle auseinandergesetzt hat.
Den Bezug zur Stelle konkret machen
Allgemeine Aussagen wie «Die Stelle finde ich sehr spannend» bringen wenig. Stärker wirkt es, wenn klar wird, was genau den Reiz ausmacht.
Zum Beispiel:
- das Aufgabenfeld
- die Branche
- der Kundenkontakt
- eine Entwicklungsmöglichkeit
- die Verbindung zum bisherigen Weg
- Leidenschaft und Kompetenz
Je konkreter dieser Bezug ist, desto glaubwürdiger wirkt die Bewerbung.
Eigeninitiative sichtbar machen
Motivation zeigt sich auch dort, wo jemand von sich aus etwas bewirkt hat.
Zum Beispiel durch:
- Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen
- Projekte
- freiwilliges Engagement
- selbständig aufgebaute Kenntnisse
- branchennahes Interesse
Solche Hinweise wirken oft glaubwürdiger als die blosse Aussage, man sei «sehr motiviert».
Den roten Faden erkennbar machen
Nicht jeder Lebenslauf ist geradlinig – und das ist in Ordnung. Wichtig ist, dass der Weg für die lesende Person nachvollziehbar ist.
Wenn verständlich wird, warum jemand sich in eine bestimmte Richtung entwickelt hat oder weshalb eine neue Stelle gut zum bisherigen Weg passt, wirkt die Bewerbung klarer.
Freitextfelder unbedingt nutzen
Viele Online-Bewerbungsplattformen bieten kurze Freitextfelder oder Platz für Bemerkungen. Diese Möglichkeit wird oft verschenkt oder nur knapp genutzt. Dabei kann genau dort in wenigen Sätzen deutlich werden, weshalb man sich bewirbt und warum die Rolle passt. Nicht lang. Nicht gekünstelt. Sondern gezielt und auf den Punkt.
Auch die Begleitmail zählt
Selbst wenn kein Motivationsschreiben verlangt wird, kann schon eine kurze Begleitmail viel ausmachen. Ein paar individuelle, saubere Sätze zeigen oft sofort, dass eine Bewerbung bewusst erfolgt ist – und nicht wahllos verschickt wurde.
Zu guter Letzt: Auch das Online-Profil sollte passen
Der Lebenslauf steht heute oft nicht für sich allein. Viele Recruiter schauen zusätzlich auf LinkedIn oder andere berufliche Profile. Deshalb sollten die Angaben ein stimmiges Gesamtbild ergeben.
Fazit
Dass immer mehr Unternehmen auf das klassische Motivationsschreiben verzichten, wirkt im ersten Moment vielleicht wie ein Nachteil. In Wahrheit verschiebt sich aber vor allem der Ort, an dem Motivation erkennbar werden soll.
Nicht der separate Brief macht den Unterschied. Entscheidend ist, ob eine Bewerbung insgesamt zeigt, warum jemand diese Stelle möchte, was er oder sie mitbringt und weshalb die Bewerbung bewusst und passend ist.
Wie Steck HR Sie unterstützen kann
Wenn Sie Ihre Motivation in Ihren Unterlagen besser zum Ausdruck bringen möchten – sei es als Young Professional beim Einstieg oder als berufserfahrene Fach- oder Führungsperson beim nächsten Schritt – unterstützen wir Sie gerne. Mit unserem Bewerbungscoaching helfen wir Ihnen dabei, Profil, Unterlagen und Auftritt so zu optimieren, dass Ihre Motivation für die passende Stelle überzeugend erkennbar wird.